Sollten sich Häuslebauer jetzt niedrige Zinsen sichern?
von:Matthias Streit
Datum: 11.11.2017 10:02 Uhr
Die Zinsen für Baugeld könnten bald steigen. Mit Forward-Darlehen sichern sich Häuslebauer schon heute niedrige Zinsen für eine Anschlussfinanzierung. Wann sich ein solcher Schritt lohnt – und wann nicht.Seit Monaten sind die Zinsen für einen Hypothekenkredit konstant niedrig. Da die EZB die Geldpolitik strafft, könnte damit aber bald Schluss sein. Mario Draghis Entscheidungen zur Geldpolitik im Euro-Raum scheinen auf den ersten Blick kaum Verbraucherschützer auf den Plan zu rufen. Schon gar nicht, wenn es um die Baufinanzierung geht. Und doch registriert Hartmut Schwarz, der Baufinanzierungsexperte der Verbraucherzentale Bremen, dass sich nach der jüngsten EZB-Entscheidung Ende Oktober vermehrt Häuslebauer bei ihm melden. Was ist passiert?Ende Oktober beschloss die Europäische Zentralbank (EZB), die Anleihekäufe ab 2018 auf 30 Milliarden Euro im Monat zu halbieren. Es könnte das endgültige Zeichen für den Einstieg in den Ausstieg der ultralockeren Geldpolitik sein. Die zuletzt notorisch niedrigen Zinsen könnten allmählich steigen. Damit klettern auch die Kosten für all jene, die heute schon ein Haus abbezahlen und in einigen Jahren über eine Anschlussfinanzierung verhandeln müssen. Mithilfe eines Forward-Darlehens können sich Hausbesitzer jetzt noch die niedrigen Zinsen für die Anschlussfinanzierung sichern. Finanzexperten erklären, wann sich das lohnt und was es zu bedenken gilt.
Wenn Draghis Geldpolitik beeinflusst die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe: Kauft die Notenbank weniger, sinkt die Nachfrage, die Rendite steigt. Das verteuert im Gegenzug auch Baugeld, denn die zehnjährige Bundesanleihe ist für deutsche Banken das Mittel der Wahl, um die vergebenen Hypothekenkredite zu refinanzieren
Möglich wäre das bereits fünf Jahre, bevor die laufende Zinsbindung ausläuft. Wer also ein Hypothekendarlehen mit zehnjähriger Zinsfestschreibung abgeschlossen hat, kann theoretisch schon nach fünf Jahren einen Vertrag für die Anschlussfinanzierung festzurren. Der Vertrag gilt nicht ab sofort, sondern erst, nachdem die bestehende Zinsbindung abgelaufen ist. Das wäre in diesem Beispiel nach der vereinbarten Zinslaufzeit von zehn Jahren.
90 Prozent der Experten rechnen mit steigenden Zinsen. Wann ist der bester Zeitpunkt? Jeder Experte kann auch nicht wissen was die Zukunft bringt, Noch sind die Zinsen nicht gestiegen, also kein Grund für Panik. Lassen sie sich Zeit in Ruhe zu einer Entscheidung zu kommen. Sie sollten bei einer bestehenden Baufinanzierung sicherlich den Zinsmarkt im Auge behalten, aber bitte nicht überstürzen. Sammeln sie mal Unterlagen zusammen:
Stellen sie sich selbst folgende Fragen
- Wie hoch wird meine Restschuld sein
- Wann ist ihr Zinsbindungsablauf
- Kann ich diesen verkürzen
- Kann ich jetzt noch Sondertilgungen in meine derzeitige Finanzierung einbringen
- Ist mein Objekt an Wert gestiegen
- Was will ich mit der Immobilie in Zukunft machen
- Laufen alle Darlehen gleichzeitig aus
Wie stelle ich meine Zukunft mir vor, will ich in dieser selbstgenutzten Immobilie bleiben. Bei einer vermieteten Immobilie
- Wann läuft die steuerliche Frist aus
Sie sehen was alles zu berücksichtigen ist, abseits der Zinsentwicklung und der Suche nach dem bestmöglichen Zinszeitpunkt.